am Salz-Wanderweg und am Usa-Wanderweg

 

Die Sprudel

Wer Kurorte kennt, der weiß: auf Heilquellen blickt man hinab. Sie sind tief in der Erde verborgen.
Im Bad Nauheim Sprudelhof ist das anders, hier schaut man zu den Quellen hinauf. Die Sprudel sind von weither sichtbar. Das Weihnachtswunder des Jahres 1846 wirkt weiterhin.  Man hatte jahrelange mit einfachsten Mitteln gebohrt und dann aufgegeben. Durch glückliche Umstände, einen extrem tiefem Luftdruck, konnte sich das Heilwasser den Weg nach oben bahnen. Der "Große Sprudel" war ungewöhnlich kohlensäurereich und sprang ungewöhnlich hoch.
Aus dem Salzsiederdorf Nauheim wurde ein Kurort. 

 

Zeichnung

 

Wenige Jahre später, 1855 wurde direkt daneben der Friedrich-Wilhelm-Sprudel erbohrt. Er war noch größer als der "Große Sprudel", der aber dennoch seinen Namen behielt.
Seitlich davon befindet sich heute das separate Becken des Ernst-Ludwig-Sprudel, erbohrt 1900.  

  

Der Sprudelhof  und der Jugendstil  

 

historische Photografie

Der Sprudelhof im Jahre 1912,
noch vor der Aufstellung des hessischen Löwen

 

Es gibt die Empfehlung, den Sprudelhof als Unesco-Weltkulturerbe klassifizieren zu lassen. 
Noch ist es nicht so weit.  Doch wer diese beeindruckende Anlage zum ersten Mal síeht, einen Moment verweilt, der wird ergriffen.
Die beiden großen Sprudel bilden den Mittelpunkt, gerahmt von den Badehäusern mit ihren Arkadengängen.
Hier beim Sprudelhof griff der Architekt Jost auf die repräsentative Formensprache fürstlicher Sommerresidenzen zurück und interpretierte sie völlig neu. In der Barockzeit war alles auf den absolutistischen Herrscher bezogen, sein Schloß, seine Prunkräume standen im Mittelpunkt der Anlagen. Ganz anders hier in Bad Nauheim unter dem aufgeklärten Großherzog Ernst Ludwig. Die fürstlichen Räume treten zurück, befinden sich seitlich. 
An der prominenteste Stelle der Gesamtanlage befinden sich die beiden Sprudel.  
Diesen Sprudeln, Quelle der Gesundheit, ordnet sich alles unter. 

Zwei Torhäuser stehen rechts und links der großen Freitreppe. Von hier oben hat man einen schönen Blick, zentriert auf die weißen Sprudelfontainen. Der Besucher geht weiter, durchquert einen Vorhof und kommt dann zum eigentlichen etwas tiefer gelegten Sprudelhof. Er schreitet weiter und steigt zu den Sprudelbecken von Jobst empor. Früher entdeckte er hier das Kurhaus, im Park gelegen, heute noch zur Winterzeit möglich. Der Blick schweift über eine vielgestaltige Dachlandschaft, orangefarbene Ziegel und orangefarbenes, eisenhaltiges Heilwasser. Beim Zurückschauen fallen die beiden Uhrentürme auf, sie krönen die beiden seitlich angeordneten Fürstenwohnungen.

 

Sprudel, ein Blick zurück


Der Gebäudekomplex ist Teil des Bad Nauheimer Jugendstil-Ensembles, einem Gesamtkunstwerk von hohem Rang. Es entstand zwischen 1905 und 1911 unter Wilhelm Jost (1874-1944). Seine Begabung wurde von dem kunstsinnigen Großherzog Ernst Ludwig schon früh erkannt und gefördert. 


Die Badehäuser mit ihren Innenhöfen

Zum Sprudelhof gehören 6 Badehäuser. Jedes dieser Badehäuser hat einen Warteraum und einen Schmuckhof, umgeben von Badezellen.  Wandelgänge ermöglichen Entspannung. Dabei sind Anklänge an klösterliche Kreuzgänge zu spüren. Jedes Badehaus, jeder Innenhof  ist anders.
Der Bildhauer Heinrich Jobst, der Keramiker Julius Scharvogel, Wilhelm Kleukens und Albin Müller waren hier tätig, alles Künstlerpersönlichkeiten  aus der Darmstädter Künstlerkolonie.  Marmor, Mosaik, Muschelkalk, Klinker, Messing bringen auf die vielfältigste Weise die Themen Wasser und Gesundheit zum Ausdruck. 


Anläßlich der Landesgartenschau ist das Badehaus 3 jeden Tag geöffnet. Es gibt eine Ausstellung zum Thema Rose. Auch kann man hier noch in den originalen Holzbadewannen aus australischem Moa-Holz baden.
An den Wochenenden kann das Badehaus 4 besichtigt werden;
bei Vorträgen und Theateraufführungen auch das Badehaus 2.
 

Die Gebäude des Sprudelhofes sind noch original erhalten, ohne störende Anbauten. Selbst die Inneneinrichtungen sind in vielen der Badehäuser erhalten, von einigen Verlusten der Nachkriegszeit abgesehen. Die von einem Unesco-Weltkulturerbe geforderte Authentizität ist noch vorhanden.

Der Jugendstilverein setzt sich für den Erhalt dieser Anlagen ein.
mehr zu den Jugendstilanlagen und zahlreiche Fotos (Link, pdf-Datei)

Auch die weiteren Gestaltungen von Jost, wie beispielsweise Trinkkuranlage und die Schwalheimer Löwenquelle, zeigen Kreativität und Vielseitigkeit. Die Funktionalität ist wohl durchdacht. Seine Architektur schiebt sich nicht in den Vordergrund sondern tritt in Beziehung zur jeweiligen Umgebung.

Wilhelm Jost wacht noch heute, hoch oben, über den Sprudelhof       Wilhelm Jost wacht noch heute, hoch oben, über den Sprudelhof

Einige seiner Gedanken finden Sie    hier

 

Drücken wir Bad Nauheim mit seinen einzigartigen Jugendstil-Anlagen die Daumen.