Ohne ihn wäre Bad Nauheim nicht wiederzuerkennen.
Eigentlich hieß er Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein.
Von seiner Familie wurde er Ernie genannt.

Ernie - sein Leben
Ernst Ludwig und der Jugendstil
Ernst Ludwig und sein Programm zur Wirtschaftsförderung
Ernst Ludwig - der rote Fürst

Ernie - sein Leben

geboren 1868
Enkel von Queen Victoria von Groß-Britannien, Cousin des Kaisers und preußischen Königs Wilhelm II.
Sein geliebter Bruder stirbt nach einem kleinen Sturz, bluterkrank. Ernie machte sich jahrelang Vorwürfe weil er mit dem dem Kleinen herumgetollt war. Auch die jüngste Schwester verstirbt früh.
Die Mutter stirbt als Ernie 10 Jahre alt war, der Vater als er 22 Jahre alt war.
Seine zwei Schwestern heiraten russische Brüder - Alix von Hessen und bei Rhein wird so zur russischen Zarin Alexandra Feodorowna.
Queen Victoria vermittelt die Heirat ihres Lieblingsenkels Ernie mit seiner Cousine Victoria Melita.
Die Tochter Elisabeth wurde geboren, "das Prinzeßche". 
Wenige Jahre darauf kam die Scheidung, ein Skandal, der europaweit diskutiert wurde.
Die kleine Elisabeth stirbt an Typhus als sie gemeinsam mit dem Vater die russischen Verwandten besucht, ein harter Schlag für Ernie.
Die zweite Hochzeit feiert er mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich, das "hessische Lorchen". Die Ehe wurde glücklich, zwei Söhne wurden geboren.
1910 verbringen Ernie und Lorchen unbeschwerte Tage mit Nicky und Alix in Bad Nauheim (Zar Nikolaus II und Zarin Alexandra). Auch ihre Kinder genießen Freiheiten. Alle treffen sich beim Tennisspiel im Kurpark, sie wandern zum Schwalheimer Wasserrad und zur Löwenquelle.
Die russische Revolution bringt den kläglichen Tod von Ernis Schwestern, von Zar Nikolaus und ihren Kindern.
1918 kam die Novemberrevolution und die in Deutschland wurde die Republik ausgerufen.  Alle deutschen Fürsten mußten abdanken und fliehen - mit Ausnahme von Ernie, der sich weigerte.  Er blieb in Darmstadt und konnte als einziger deutscher (Ex-)Fürst unbehelligt durch die Stadt gehen.
In der vielen freien Zeit widmet er sich der Gartenkunst und der Philosophie. So gestaltet er den Schloßpark Wolfsgarten und gründet die "Schule der Weisheit".
1937 stirbt er und mußte nicht mehr miterleben, dass kurz darauf Frau, Sohn und die beiden Enkelsöhne bei einem Flugzeugabsturz um Leben kamen. Sie alle sind auf der Darmstädter Rosenhöhe begraben.

 

Ernst Ludwig und der Jugendstil

"Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst", das war sein Motto.  
Er förderte junge Künstler und gründete die Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Hier entstand der Jugendstil, der Bad Nauheim verändern sollte.
Jugendstil schafft Gesamtkunstwerke - Architektur, Gartenkunst, Glasbläserei und Keramik, Metallarbeiten, Möbel und Lampen wirken in ihrer Kombination. Der große Entwurf wurde bis ins kleinste Detail durchgeformt. Bad Nauheim wurde verwandelt. Innerhalb kürzester Zeit - von 1904 bis 1911 - entstanden Sprudelhof und Trinkkuranlage, Maschinenzentrale, Kurtheater und Gärtnereigebäude. Keine Gestaltungsaufgabe war "zu gering", alle Lebensbereiche sollten durchdrungen werden. Der von Kritikern erhobene Vorwurf  Jugendstil sei zu elitär, wurde in Bad Nauheim auf beeindruckende Weise entkräftet. Hier wurde das Schöne mit dem Nützlichen verbunden, Kurgäste und Einwohner proftierten davon.

Wichtig war auch die Beziehung zwischen Architektur und Natur, in Darmstadt wie in Bad Nauheim. Die Architektur wurde in die umgebende Natur eingefügt.
Die Gartenkunst hatte Ernst Ludwig insbesondere bei seinen zahlreichen Besuchen in England kennengelernt, die Schloßparks seiner Großmutter vereinten landschaftliche und formale Elemente. Den Bad Nauheimer Kurpark schätzte er sehr - Philipp Siesmayer bekam für seine Gestaltung einen Orden überreicht. In der Jugendstilzeit wurde der Kurpark behutsam ergänzt, durch architektonische Elemente aufgewertet.

Rückblickend war der Großherzog mit Bad Nauheim sehr zufrieden.

 

Ernst Ludwig und sein Programm zur Wirtschaftsförderung

"Immer muß der Fürst alle Möglichkeiten der Zukunft im Auge haben, damit er als erster immer bereit ist, in einer neuen Frage mitzuhelfen, wenn sie seinem Volk von Nutzen sein könnte" dies schrieb er und so handelte er. Großherzog Ernst Ludwig war ein Wegbereiter. Er förderte die Opelwerke - aus einer Nähmaschinenfabrik wurde ein Automobilproduzent. Er förderte den Eisenbahnverkehr und schloss Hessen an das große preußische Streckensystem an.

Auch der Ausbau Bad Nauheims zu einem Jugendstilbad war eine Maßnahme zur Wirtschaftsförderung. Nach dem mehrwöchigen Besuch der Zarenfamilie im Jahre 1910 strömten russische Gäste nach Bad Nauheim. Aus dem Kurstädtchen wurde ein Weltbad.

Übrigens, Bad Nauheim wird auch als das Drei-Kaiserinnen-Bad bezeichnet:
"Sissi", Elisabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn,
Augusta Viktoria, preußische Königin und deutsche Kaiserin
und natürlich Zarin Alexandra Feodorowna, die Schwester von Großherzog Ernst Ludwig

Ernst Ludwig - "der rote Fürst"

Er war ein konstitutioneller Fürst, mit einem Parlament, das die Finanzmittel genehmigen mußte. Das Geld war knapp.
Hessen und bei Rhein war Teil des Deutschen Reiches unter der Führung von Preußen.  So mußte der Großherzog Ernst Ludwig  sein Offiziersexamen  in Berlin ablegen und Truppen für den Krieg gegen Rußland zur Verfügung stellen. Auch galten die preußischen Rechts- und Verwaltungsvorschriften. Doch hatte der Großherzog mit seinem militaristischen und autoritären Cousin, dem Kaiser Wilhelm II wenig gemeinsam. Auch unter den anderen deutschen Landesfürsten war er mit seinen sozialen Ideen ein Außenseiter.

Sehr wichtig für Ernst Ludwig und Eleonore war die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit (von 15 % auf 9 %.  Durchschnitt Deutsches Reich: 20 %) sowie der Bau von Schulhäusern und Erholungsheimen.

Auch Toleranz war für Ernst Ludwig sehr wichtig, sowohl politisch wie auch religiös.