am Wanderweg "Vielfalt im Wettertal"  blauerkringel ,  hessenweg4

 

Dieser Stein am Judenpfad führt uns in eine ganz andere Zeit. Er erinnert an die Sitten im Mittelalter und auch an die Besatzung durch die Truppen Napoleons.

Dreyfus-SteinZunächst zum Judenpfad.
Im Mittelalter waren viele Berufe für Juden untersagt. Sie durften den Zünften nicht angehören, konnten also diese Handwerksberufe nicht ergreifen. Sie durften keine Äcker besitzen, der Beruf des Acker- bauern schied somit aus. Es gab eine Zeit wo sie noch nicht einmal ein Ladengeschäft eröffnen durften. So kam es, dass damals relativ viele Juden ihren Lebensunterhalt als fahrende Händler verdienten. Oft waren es Gegenstände des täg- lichen Bedarfs, oft wurde auch Vieh gehandelt. In Friedberg und in Münzenberg lebten vergleichsweise viele Juden, beide Städte hielten wichtige Märkte ab. Der Juden- pfad an unserem Wanderweg liegt dazwischen. Er beginnt genau an der Grenze zur Gemarkung Oppershofen. Diese Grenze existiert schon seit Jahrhunderten, damals zwischen der Burggrafschaft Löw von Steinfurth und dem Kurfürstentum Mainz.  Der Judenpfad führt genau an der Grenze entlang, innerhalb des Waldes. Später wird er den kurmainzischen Rockenberger Wald durchqueren.  Der Verlauf der Strecke legt den Gedanken nahe, dass sich Menschen in Steinfurth und Münzenberg frei bewegten und dieselben Menschen innerhalb von Oppershofen/Rockenberg versteckte Wege bevorzugten. Dies könnte im Zusammenhang mit Geleitgeldern gesehen werden. Dies waren Schutzgelder, Steuern, die reisende Juden an die Obrigkeit zahlen sollten.

Der Dreyfus-Stein befindet sich genau am Eingang zum Oppershofener Wald, am Beginn des Judenpfades. Der eingeritzte Text lautet: "Dieser Weg ist zum Durchtrieb mit Vieh bei ... und zum Reiten bei ... streng verboten". Auch wenn die genauen Geldbeträge nicht mehr lesbar ist, die Aussage ist klar: Jeder der zuwider handelte mußte mit Strafe rechnen. 

Dieser Stein wurde 1806 aufgestellt, also zur Zeit der Besetzung durch die Truppen Napoleons. Für die gegenüber liegende Seite des früher zusammenhängenden Waldgebietes, dem Waldeingang Rockenberg, wird von einem ähnlichen Stein berichtet. Der für die Aufstellung verantwortliche Offizier hieß Dreyfus, trug also einen Namen, der bei elsässischen Juden verbreitet war. Der Stein belegt, dass der Pfad auch noch in der napoleonischen Zeit benutzt wurde, wahrscheinlich zum Viehschmuggel.
An dieser Stelle im Wald tobte im Mai 2008 ein Wirbelsturm. Zahlreiche große Bäume stürzten um.  Rund herum liegen Stämme, versperren den ehemaligen Judenpfad. Glücklicherweise wurde der Dreyfus-Stein verschont. Um ihn auch vor großen Forstmaschinen zu schützen hat Frau Bonarius vom Geschichtsverein "die Rosisten" den Stein farbig markiert. Vom Wanderweg aus ist er nicht zu sehen. Man muß 10 Schritte auf einem Trampelpfad in den "Wald" hineingehen.

einen Lageplan finden sie hier

Quellen: 
Kolb, Stephan: Die Geschichte der Bad Nauheimer Juden, Bad Nauheim 1987, S. 71-76
Schunk, Gail: Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde von Münzenberg vom 12. bis 18. Jahrhundert, Butzbacher Geschichtsblätter 2007/2008, Nr. 221 ff
Wagner, Werner: Die "Dreyfus-Steine" am Judenpfad bei Steinfurth und Rockenberg, Butzbacher Geschichtsblätter, Nr. 35, 23. Juni 1987