in der Nähe des Wanderweges "Vielfalt im Wettertal",   hessenweg4,  blauerkringel
 

Landwehr:

"Staatsgrenze" zwischen Steinfurth und Oppershofen
 


Die deutsche Kleinstaaterei war berühmt/berüchtigt. Es gab Tausende von kleinen Herrschaften und jeder verteidigte seine Grenzen gegen "Übergriffe". So gab es eine Grenzbefestigung zwischen Steinfurth und Oppershofen, die man heute noch deutlich sehen kann. Steinfurth gehörte dem Burggrafen Löw, dagegen gehörte Oppershofen zum Kurfürstentum Mainz. Zwischen den beiden Orten wurde mit viel Aufwand eine Landwehr errichtet, die Untertanen hatten hier Frondienste zu leisten. Es wurde ein Wall geschaufelt mit einem tiefen seitlichen Graben, teilweise auch ein weiterer flacherer Graben. 
Üblicherweise gab es bei solchen Landwehren auch eine undurchdringliche Hecke. Sie bestand aus "Gebück" und "Gedörn". Hainbuchen wurden so geschnitten, gebogen, geflochten, dass ein Gewirr aus Ästen und Stämmen entstand. Dies war das Gebück. Zusätzlich wurden Brombeersträucher und Wildrosen eingesät, dies war das Gedörn. Nur an wenigen Stellen waren Durchlässe, Durchgangsberechtigte mußten Wegezoll bezahlen. Wer eine Landwehr an der falschen Stelle überschritt, der mußte mit drakonischen Strafen rechnen, da konnte schon einmal eine Hand abgehackt werden.

 

am Wanderweg "Wettertaler Vielfalt"

  Landwehr, Judenpfad, Dreyfus-Stein

 

 
 

Der innerhalb des Waldes gelegene Teil der Landwehr zwischen Steinfurth und Oppershofen ist noch sehr gut erhalten. Die Grenzsteine, wahrscheinlich von einer Aussteinung im vorigen Jahrhundert, befinden sich im Graben. Auf dem Wall verläuft heute ein Fußpfad. Seit dem Wirbelsturm sind die obersten 50 m jedoch kaum überwindbar. Ein Zugang vom Wanderweg "Wettertaler Vielfalt" kann daher zur Zeit nicht empfohlen werden.

               Grenzstein
 

heutiger Grenzstein im Graben

 

Graben           Wall
Blick aus dem Graben   dieselbe Stelle vom Wall aus gesehen

 

Am oberen Ende dieser Landwehr, wenige Meter vom Waldrand, steht heute noch der Dreyfus-Stein und es beginnt der Judenpfad. Unser Wanderweg führt direkt daran vorbei. Wer sich jetzt schon ein Bild machen will, kann hier klicken.

externer Link zur Kleinstaaterei, Karte von Süd-Hessen aus dem Jahr 1789 

Nauheim, Schwalheim, Dorheim - rosa (Grafschaft Hanau / Hessen-Kassel)
Steinfurth, Wisselsheim - gelb (Burggraf Löw von Steinfurth)
Oppershofen, Rockenberg, Nieder-Mörlen, Ober-Mörlen - violett (Kurfürstentum Mainz)
Friedberg - rot (freie Reichsstadt)

ausführlicher Artikel über Landwehre bei Wikipedia