Steinfurth - historische Rosenfelder

 

 

 1868 brachte für Steinfurth eine entscheidende Veränderung - die Rose hielt ihren Einzug. Und sie änderte das Leben der ganzen Bevölkerung. 
Ein Pächtersohn, Heinrich Schultheis, kehrte von seinen Lehr- und Wanderjahren zurück. In England hatte er den Rosenanbau kennengelernt. Der Vater stellte Land zur Verfügung, die Firma Gebrüder Schultheis Rosisten wurde gegründet und nahm einen raschen Aufschwung.
1884 wurde in einer Fachzeitschrift über das "Tal der Rosen" berichtet und von einem "Weltgeschäft".  Rußland und selbst die USA wurden mit Pfanzen beliefert. Die umliegenden Kurorte erhielten Schnittrosen in mit Moos ausgelegten Körben. Rosenöl wurde destilliert. Der Rosenanbau war arbeitsintensiv, die Mitarbeiter profitierten von den hohen Erträgen. Ehemalige Beschäftigte machten sich selbstständig und gründeten eigene Rosenbetriebe.  1900 gab es rund 60 Rosenanbauer.

1911 fand die erste Rosenschau in Steinfurth statt. "Rosenblumen-Ausstellung" stand über dem Eingang - im Gegensatz zu Rosenpflanzen.

1917 wird eine Rose auf den Namen "Friedensrose" getauft, bleibt aber erfolglos.

1920 gab es 110 Rosenbetriebe, danach nahm die Zahl weiter zu, bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und hohe Arbeitslosenzahlen.

1928 erschien das Buch "Die Welt der Rose" von Albert H. Rausch, Steinfurth im Zentrum dieser Welt.

1934, am Tag der deutschen Rose, wurde eine Rosenkönigin gewählt und ein Rosenkorso fuhr durch Steinfurth. Auch in den Folgejahren finden noch einige Rosenausstellungen statt, u.a. organisiert durch "Kraft durch Freude".

1949 gab es die erste Rosenausstellung nach dem Krieg, dieses Mal gefördert von der amerikanische Besatzungsmacht. 
1950 rollte wieder ein mit Rosen geschmückter Korso durch Steinfurths Straßen. Für einen Motivwagen wurden (und werden) bis zu 20.00 Rosenblüten benötigt. Der Rosenkorso und die Rosenausstellung im Rosensaal werden zu großen Attraktionen. Im Jahr 1950 gab es eine Ehrendame, seit 1951 eine Rosenkönigin. In ununterbrochener Reihe wird dieser Brauch bis heute fortgesetzt, zunächst mit einjähriger Amtszeit, dann mit zweijähriger. 1951 entstand der Film "Das Wunder der Rose" . Das ganze Dorf wirkte mit, einschließlich der Schulkinder mit Lehrer. Heute ist dieser Film ein wichtiges historisches Dokument.

1968 bei der 100-Jahr-Feier konnte man stolz schreiben:
Steinfurth - "Größtes geschlossenes Rosenanbaugebiet Europas"
Das Dorf hatte 2100 Einwohner. In jedem zweiten Haus lebte mindestens ein Bewohner vom Rosenanbau, oft sogar die ganze Familie. Auch die Kinder halfen beim Veredeln der Rosen mit.  So hieß es: Die Steinfurther werden mit dem Okuliermesser in der Hand geboren.  
Für alle Nicht-Steinfurther und Nicht-Rosen-Profis: Beim Okulieren wird ein Auge, also eine Zierrosen-Knospe herausgeschnitten und unter die Rinde eines Wildlings eingefügt. Ein Verband ermöglicht das Einwachsen des Auges. Aus dem Wildling wird später die Unterlage,  aus dem einen Auge entwickeln sich alle Blätter und Blüten.

1972 Steinfurth wird ein Stadtteil von Bad Nauheim, behält jedoch seine Identität.

1974 begannen Initiativen für ein Rosenmuseum. 1990 wurde eine Dauerausstellung zum Thema Rose eröffnet. 2003 war der Erweiterungsbau fertiggestellt und das Rosenmuseum präsentierte sich in seiner heutigen Form.

Quellen: Internetseite des Heimatvereins  "Die Rosisten" 
sowie die Schrift: Die Rosenanbauer, 2010, herausgegeben von demselben Verein;
Rosenmuseum, Kübler, Blatt für Blatt die Rose