Wer vor dem Kurhaus steht, der sieht nur das Kurhaus. Auch wer im Park spazieren geht, der bemerkt das Kurtheater nicht. Das war auch schon vor 100 Jahren so.
Jost hatte das ehrgeizige Ziel, einen Konzertsaal mit 1400 Sitzplätzen und einen Theatersaal mit 400 Sitzplätze so zu verstecken, dass der Parkbesucher nicht davon bemerkt. In anderen Kurorten entstanden zurselben Zeit auffallende Theatergebäude im "Zuckerbäckerstil", dagegen investierte man in Bad Nauheim in Erdarbeiten, um die Gebäude nach hinten in den Hang schieben zu können.
Deshalb hier ein Tipp: das Kurtheater liegt nördlich des Kurhauses, rechts hinter Bäumen versteckt.
Steigen Sie die Treppen hinauf, bewundern Sie den Blick zurück in den Kurpark Richtung Sprudelhof und wenden Sie sich dann Richtung Platanenhof. Dort können Sie noch heute die Steinlauben genannte Arkadengänge von Jost sehen.
Kürzlich wurde das 100jährige Bestehen des Kurtheaters gefeiert. Es wurde gebaut, brannte zweimal ab und stieg wieder auf - so wie ein Phönix aus der Asche. Heute steht es wieder da wie vor 100 Jahren. Sogar die feine Bemalung wurde nach den Originalplänen wiedergeschaffen.
Die Funktionalität spielte schon damals eine große Rolle, beim Kurtheater und der ebenfalls neuen Kurhausküche. Beispielsweise wurde der Küchenbereich so angeordnet, dass die Kurgäste nichts von den Küchengerüchen mitbekamen. Durch Wohnungen für den Wirt, Mitarbeiter und den Leiter der Kurkapelle wurde auch nachts die Aufsicht sichergestellt.
Kurhaus und Kurtheater - eine wahrlich wechselvolle Historie
1866 | Einweihung des Kurhauses im Stil der italienenischen Renaissance | ||
1905 | erste Erweiterung der Terrassen / Bau von Arkadengängen | ||
1909 | Einweihung des Kurtheaters. Möbel von Glückert, Darmstadt | ||
193 | Umbau der Terrassen, Abbau des mittigen Brunnens | ||
1944 | 20. Juli, Zerstörung großer Teile durch Bombenangriff | ||
1945 | Beschlagnahmung durch US-Soldaten | ||
1954 | Einsturz der Decke beim Wiederaufbau, 4 Tote | ||
1960 | Einweihung eines modernisierten Konzertsaales | ||
1980 | Theater ausgebrannt nach Dacharbeiten | ||
1982 | Einweihung des Parkhotels | ||
1985 | Einweihung der originalgetreuen Theater-Rekonstruktion für 17,2 Mill. DM | ||
2002 | Kauf von Kurhaus, Kurtheater, Kurhotel und Ländereien durch die US-Hotelkette Dolce für 7,5 Mill. Euro |
Prominente Gäste im Kurtheater
von Albert Einstein bis Daniel Barenboim,
von Zarah Leander über Lale Anderson bis Hildegard Knef,
von Heinz Erhard über Helmuth Kohl bis Mario Adorf -
Richard Strauss kam mehrfach als Kurgast sowie
einmal als Dirigent eines 110-Mann Orchesters (1917)
Dank sei der Recherche von Annette Hausmanns gesagt und ihren Veröffentlichungen in der Wetterauer Zeitung, Juli 2009 und April - Juni 2010